Alltag # 23 (Mein Vater schickt Goldzähne…)

Alltag # 23

Mein Vater hat mir etwas geschickt. Das Kuvert ist in der Mitte ausgebeult. Ich schneide mit einem Cutter das Klebeband auf und ziehe aus dem mit Luftpolsterfolie ausgekleidetem Umschlag ein kleines Päckchen heraus. Etwas wurde in Papiertücher eingewickelt und liegt in einem Gefrierbeutel. An manchen Stellen sehe ich Gold durchschimmern. Ich greife nach der beigelegten Postkarte. Ich war beim Zahnarzt. Das sind meine alten Goldkronen. Ich kann sie nicht mehr brauchen. Vielleicht hast du Verwendung dafür.

Wünsche # 11 (Sybille kommt…)

Wünsche # 11

Endlich. Sybille kommt. Martin saugt noch einmal über den Dielenboden, öffnet die Kühlschranktür, holt eine Glasbox heraus und verteilt unterschiedliche Käsesorten auf unterschiedlichen Holzbrettern. Martin variiert mehrmals zwischen den runden und den eckigen Stücken. Legt dunkle Weintrauben dazwischen. Das Angerichtete schmeichelt seinen Augen. Martin ist fast entspannt. Sybille ist pünktlich, stützt sich mit der Hand an der Wand ab und greift nach ihrem Schnürsenkel. Martin teilt ihr mit, dass sie ihre Schuhe anbehalten kann. Sybille legt ihren Schlüsselbund und ihr Telefon auf den Tisch und setzt sich. Martin hält eine Flasche Riesling Sekt in die Luft. Sybille nickt. Sie stoßen an. Für eine Sekunde klingen die Gläser. Sybille greift schon nach einer Scheibe Graubrot. Martin lächelt Sybille an und erklärt ihr, dass das runde Käsestück in der Mitte der beste Käse sei und der teuerste. Auch lässt er sie wissen, dass er so teuer sei, dass er ihn sich nur ganz selten leiste. Martin füllt zwei Gläser mit stillem Wasser und sieht, wie Sybille eine Hälfte von dem teuren Käse auf ihren Teller packt. Martin legt eine kleine Rispe von den Muscat Bleu Trauben auf Sabines Teller. Für sich schneidet er ein kleines Stück Ziegenbrie ab. Der Geschmack des teuren Käses begeistert Sybille. Sie sagt, dass sie sich nie so teure Dinge kaufen würde und packt auch noch die zweite Hälfte von dem Cacio Bufala auf ihren Teller. Martin schiebt sein Sektglas auf dem Tisch hin und her. Sybille kostet drei weitere Käsesorten, bedankt sich für das großartige Käseerlebnis und fragt nach, ob sie noch einen doppelten Espresso haben kann. Die Espressokanne steht schon vorbereitet auf dem Herd. Sybille spricht von ihrer Arbeit. Martin will den Abend vorantreiben und legt zwei Stück Zuckerwürfel neben Sabines Espressotasse. Sybille macht eine lange Sprechpause. Martin betrachtet die auf dem Tisch liegenden Brotbrösel. Sybille tupft sich die Mundecke ab und stopft die Stoffserviette unter der Tischplatte in ihre Hosentasche. Martin will das Schweigen brechen und stellt Sybille weitere Fragen. Sybille beantwortet sie alle gerne. Eine halbe Stunde später steht Martin alleine an der Spüle, wäscht Sybilles Teller ab und geht dann joggen. Die große Runde.

Lebensentwürfe # 7 (E. ist nicht glücklich mit T…)

Lebensentwürfe # 7

Emmi ist nicht glücklich mit Tobias. Weder mit ihm als Ehemann noch mit ihm als Vater. Tobias weiß das. Er weiß aber nicht was er daran ändern kann. Er hat Angst, dass Emmi ihn verläßt. Er will um keinen Preis alleine sein. Er weiß nicht, wo er auf einmal Freunde hernehmen sollte. Wenn es für ihn ganz schlimm ist, schreit er Klara an, die gemeinsame Tochter. Er findet er hat ein Recht dazu. Denn es ärgert ihn, dass Klara nie aus Sehnsucht weint, wenn er weg ist. Aber immer, wenn Emmi geht.

Lebensentwürfe # 8 (R. würde nie seine Frau verlassen…)

Lebensentwürfe # 8

Robert würde seine Frau nie verlassen. Und weil er das weiß, und sich dabei auch ganz sicher ist, erlaubt er sich, sie zu betrügen. Seiner Geliebten sagt er, dass er es so schade finden würde, dass sie sich nicht früher kennengelernt haben. Robert glaubt, dass er mit seiner Geliebten insgesamt glücklicher geworden wäre als mit seiner Frau. Aber seine Frau zu verlassen kommt für ihn nicht in Frage. Robert will das Versprechen halten, dass er ihr gegeben hat.