Kultur # 7 (Welchen Tee…)

Kultur # 7

»Welchen Tee wollt ihr?«
»Mir egal.«
»Mir auch.«
»Und du Marie?«
»Mir ist das auch völlig schnuppe.«
»Dann mache ich eine Kanne Schwarztee.«
»Gerne.«
»Schwarztee kann ich nicht trinken, sonst liege ich die ganze Nacht wach.«
»Ich habe auch Rooibusch da.«
»Super!«
»Rooibusch mag ich jetzt wieder nicht. Der schmeckt so nach Vanille. Das kann ich nicht leiden.«
»Na gut, dann trinke ich eben beim Schwarztee mit. Ich brauche ja nicht eine ganze Tasse davon zu trinken!«
»Blödsinn, du musst bei mir keinen Schwarztee trinken. Ich mache einfach eine Kanne Rooibusch und eine Kanne Schwarztee.«
»Das ist doch absurd. Ich trinke beim Rooibusch mit.«
»Aber der schmeckt dir doch nicht!«
»Ich werde es schon überleben.«
»Und du Marie, was möchtest du trinken? Ich hätte auch noch Blütenzauber da!«
»Blütenzauber, das klingt gut!«
»Also mache ich drei Kannen!«
»Das ist doch totaler Quatsch! Ich vertrage nur den Schwarztee nicht. Sonst lieg ich wirklich die ganze Nacht wach.«
»Du brauchst nicht wach zu liegen. Ich mache drei Kannen und das Problem ist gelöst.«
»Mach doch einfach nur den Blütenzauber, der ist doch für alle okay. Oder etwa nicht?«
»Ja.«
»Ja.«
»Echt jetzt?«
»Ja, klar.«

Ich # 4 (Es ist Tag…)

Ich # 4

Es ist Tag. Der Himmel ist grau. Ich stehe im Freien. Mir ist kalt. Sehr kalt. Vor mir liegt eine leere unbebaute Ebene. Weit und breit ist kein Schutzraum in Sicht. Kein Haus. Keine Höhle. Kein Busch. Kein Baum. Ich bin dieser Kälte ausgeliefert. Stehe ihr zur Verfügung. Sie bricht auf mich ein. Einfach so. Ich weiß nicht, warum ich da bin. Ich weiß auch nicht, in welchem Land ich bin. Ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. Es fängt an zu schneien. Der Schnee fällt leise. Sanft. Friedlich. Über mir bildet sich eine Schneedecke. Ich spüre das Gewicht des Schnees. Eine Last auf meinem Kopf, auf meinen Schultern. Ich kann mich nicht von außen sehen. Ich weiß nicht, welches Gesicht ich habe. Auch nicht wie alt ich bin. Mir fällt auf, dass ich denken kann, mir Dinge überlegen kann. Mir fällt aber nichts Bewegendes ein. Ich werde weiter und weiter eingeschneit. Bald wird von mir nichts mehr zu sehen sein. Bald wird mich der Schnee erdrückt haben. Ich wache auf.