Kultur # 7 (Welchen Tee…)

Kultur # 7

»Welchen Tee wollt ihr?«
»Mir egal.«
»Mir auch.«
»Und du Marie?«
»Mir ist das auch völlig schnuppe.«
»Dann mache ich eine Kanne Schwarztee.«
»Gerne.«
»Schwarztee kann ich nicht trinken, sonst liege ich die ganze Nacht wach.«
»Ich habe auch Rooibusch da.«
»Super!«
»Rooibusch mag ich jetzt wieder nicht. Der schmeckt so nach Vanille. Das kann ich nicht leiden.«
»Na gut, dann trinke ich eben beim Schwarztee mit. Ich brauche ja nicht eine ganze Tasse davon zu trinken!«
»Blödsinn, du musst bei mir keinen Schwarztee trinken. Ich mache einfach eine Kanne Rooibusch und eine Kanne Schwarztee.«
»Das ist doch absurd. Ich trinke beim Rooibusch mit.«
»Aber der schmeckt dir doch nicht!«
»Ich werde es schon überleben.«
»Und du Marie, was möchtest du trinken? Ich hätte auch noch Blütenzauber da!«
»Blütenzauber, das klingt gut!«
»Also mache ich drei Kannen!«
»Das ist doch totaler Quatsch! Ich vertrage nur den Schwarztee nicht. Sonst lieg ich wirklich die ganze Nacht wach.«
»Du brauchst nicht wach zu liegen. Ich mache drei Kannen und das Problem ist gelöst.«
»Mach doch einfach nur den Blütenzauber, der ist doch für alle okay. Oder etwa nicht?«
»Ja.«
»Ja.«
»Echt jetzt?«
»Ja, klar.«

Kultur # 4 (Manifesta palermo…)

Kultur # 4

Es war während der Manifesta in Palermo. Ich ging zu einer Eröffnung in einem alten heruntergekommen Palazzo. Das leere Erdgeschoss wurde für die Zeit der Manifesta in eine Galerie umfunktioniert. Ich war schon etwa eine Stunde da, als mir von dem Galeristen ein Mann vorgestellt wurde. Seinen Namen habe ich vergessen. Da ich den Kontakt bei WhatsApp nicht gelöscht habe, ließe sich darüber sein Namen noch in Erfahrung bringen. Aber inzwischen will ich noch nicht einmal mehr wissen, wie der Mann heißt. Ich habe das Interesse verloren. Damals war das aber anders. Er, dessen Name ich nicht einmal mehr nachschlagen will, war mir gleich von Anfang an sympathisch. Er hatte große abstehende Ohren, wuschelige lockige Haare und eine schnelle Auffassungsgabe. Als er von dem Galeristen erfuhr, dass ich Künstlerin bin, schlug er vor, sich gleich morgen Abend wieder zu treffen, es gäbe eine Eröffnung im Botanischen Garten. Man benötige zwar eine Einladung, aber das würde er für mich schon irgendwie arrangieren. Die Eröffnung hörte sich nach einem wichtigen Ereignis an. Sein Engagement freute mich. Also willigte ich ein. Am gleichen Abend schickte er mir noch mehrere WhatsApp-Nachrichten und teilte mir immer mit, wo er gerade war, falls ich zusammen mit dem Galeristen noch nachkommen wolle. Trotz einiger Versuche, gab es an dem Abend kein weiteres Treffen mehr.
Am nächsten Tag schickte er mir gegen Abend erneut einige WhatsApp-Nachrichten, um mir mitzuteilen, wie ich mich am Eingang verhalten solle, um sichergehen zu können, dass ich auch eingelassen werden würde. Ich fand das sehr zuvorkommend und machte mich auf den Weg zum Botanischen Garten. Wir begrüßten uns herzlich und hatten schon einen vertrauten Umgangston miteinander. Er fragte nach, ob er mich mal in Berlin in meinem Atelier besuchen könne, denn er würde sich sehr für Kunst interessieren. Ich stimmte zu. Er freute sich und sagte, er sei Arzt, er untersuche auf Lampedusa Flüchtlinge, wolle aber endlich mal damit beginnen, Kunst zu machen. Er habe für den Herbst einen Kurs für Buchgestaltung belegt und freue sich schon sehr darauf. Vielleicht sei das ja der richtige Einstieg für ihn. Als ich ihm nach unserem Treffen im Botanischen Garten, noch ein paar WhatsApp-Nachrichten zukommen ließ und ihm zu verstehen gab, dass ich ihn gerne interviewen möchte, wegen seiner Arbeit mit den Flüchtlingen auf Lampedusa, meldete er sich nicht mehr zurück.