Wünsche # 15 (Marie und der Familienausflug..)

Wünsche # 15

Marie ist zu Besuch. Maries Vater schlägt einen Ausflug vor. Das ist seine Art zu zeigen, dass er sich freut, dass Marie gekommen ist. Maries Neffe kommt auch mit. Die anderen Kinder von Maries Schwester wollen lieber zu Hause bleiben. Um das Ziel wird gestritten. Maries Mutter will an den Tegernsee. Marie an den Chiemsee. »Du bist die Angereiste«, sagt Maries Neffe, »du sollst entscheiden dürfen wo es hingeht«. Maries Mutter stimmt dem nicht zu, kann aber sonst auch niemanden für ihr Ziel begeistern. Also geht es an den Chiemsee. Maries Vater fährt. Marie sitzt auf dem Beifahrersitz. Maries Mutter und ihr Neffe auf der Rückbank. Das Auto wird auf einem Großparkplatz untergebracht. Danach schlendern alle zwischen bemalten Bauernhäusern, geschnitzten Holzbalkonen und rot blühenden Geranien Richtung Fähre. Auf der Fraueninsel angekommen gibt es ein bayrisches Mittagessen in einer alteingesessenen Wirtschaft und danach wird der Rundweg am Ufer eingeschlagen. Maries Mutter sagt zu Marie: »Dein Pony steht dir nicht, er macht deine Nase, die eh schon so ein Zinken ist, noch größer!« Maries Mutter reicht Marie ein Taschentuch und verlangt, dass sie sich den Lippenstift abwischt. Maries Mutter sagt: »Damit siehst du aus wie eine Dirne.« Marie lehnt es ab, der Aufforderung ihrer Mutter nachzukommen. »Warum bist du nur so bockig«, sagt Maries Mutter. »Du kannst mir doch auch einmal einen Gefallen tun.« »Jetzt lass sie halt«, sagt Maries Vater. »Als anständige Frau trägt man aber keine so vulgären Farben. Kein Wunder, dass du keinen Mann abkriegst«, sagt Maries Mutter. »Außerdem lachst du neuerdings wie eine Ziege. Das gewöhn dir gleich mal wieder ab.« Marie atmet tief durch. Das reicht nicht. Marie stellt sich an die Seite ihres Vaters. Das reicht auch nicht. Marie lässt sich von der Gruppe zurück fallen und denkt, wie schön es jetzt wäre, der vor ihr liegende See zu sein. Er kann, falls nötig, Familien auch verschlucken. Marie kramt in ihrer Tasche nach einem Kaugummi, schiebt ihn sich in den Mund und sucht nach dem Grund, der sie bewogen hat dem Ausflug zuzustimmen. War es die Hoffnung, dass sich Dinge ändern können oder wollte sie einen Tag lang eine Heldin sein. Außergewöhnlich stark. So stark, dass jeder Angriff abperlt wie Regentropfen auf Neoprenanzügen. Marie hält weiterhin zehn Meter Abstand und beschließt, diese Distanz bis zum Parkplatz beizubehalten. Maries Vater erhebt Einspruch. »Komm«, sagt er, und winkt Marie heran. »Gleich«, sagt Marie. Sie kann ihren Vater verstehen. Die Sonne scheint. Die Luft ist mild. Das Wasser bezaubernd blau. Und nichts fühlt sich wie ein Familienausflug an. Marie holt tief Luft. Die Enten können ganz gelassen auf den begrünten Uferstreifen kacken und ich muss mich jetzt konzentrieren. Nur eine Kleinigkeit, denkt sie. Eine Kleinigkeit würde schon ausreichen. Marie strengt sich an. Sehr an. Marie fällt etwas ein. Bei der Autofahrt durfte ich vorne sitzen und meine Mutter hat sich mit der Rückbank begnügt. Das ist doch großzügig, denkt Marie. Meine Mutter gewährte mir einen Vorteil. Da gibt es nichts zu meckern. Das ist ein freundliches Verhalten. Daran halte ich mich jetzt fest. Marie schließt auf und erzählt ihrem Neffen alles was sie über Homöopathie weiß. Und Marie weiß viel über Homöopathie. Sie erreichen die Fähre. Den Parkplatz. Maries Mutter bleibt vor dem Auto stehen und sagt zu Marie: »Du sitzt hinten.« Maries Vater schaut Maries Mutter fassungslos an und sagt: »Aber Marie sitzt doch immer vorne, wenn sie bei uns zu Besuch ist und das behalten wir auch so bei.« Maries Mutter sagt: »Ab heute nicht mehr.« Auch Maries Neffe gelingt es nicht Maries Mutter umzustimmen. Marie nimmt ihren Kaugummi aus dem Mund.

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Wünsche # 16 (Marketingstrategie Parfüm…)

Wünsche # 16

Meine neue Marketingstrategie für Parfüm: Es ist teuer und stinkt.

Wünsche # 12 (Marie und Sebastian gehen Essen…)

Wünsche # 12

Marie will mit Sebastian Essen gehen. Am Telefon bespricht sie mit ihm, wo genau sie heute Abend ihre Zungen mit Köstlichkeiten verwöhnen wollen. Ihre Bedürfnisse stimmen überein. Beide wollen im Freien sitzen, auf bequemen Stühlen und im Hintergrund soll keine Musik laufen. Auch wollen sie Abwechslung und Anregung in ihrem Blickfeld haben. Sie entscheiden sich für das Restaurant auf dem Schiff. Damit haben sie bereits gute Erfahrungen gemacht. Auch mögen sie, dass das Schiff auf dem Fluss liegt, der sich durch ihre Stadt schlängelt. So können sie den vorbeifahrenden Booten zusehen und falls es nötig sein wird, über Passagiere lästern. Was sicherlich nötig sein wird. Sie wollen sich um sieben Uhr treffen. Beide sind pünktlich. Schon im Eingangsbereich kommt ein Kellner auf sie zu. Für Marie ist es erfreulich, dass der Kellner die oberen drei Knöpfe seines Hemdes offen gelassen hat. Marie gefällt das. Der Kellner wendet sich an Sebastian und sagt, es tue ihm wirklich Leid, aber er habe keinen freien Tisch mehr. Das Bedauern des Kellners ist aufrichtig. In seiner Stimme liegt keine Spur von verschleimter Höflichkeit. Der Kellner deutet auf die Schilder, die dafür verantwortlich sind, dass Marie und Sebastian sich nicht setzen können. »Vor Corona«, sagt er, »hättet ihr hier noch jeden Abend einen Tisch bekommen, nur jetzt geht ohne Reservierung nichts mehr.« Marie denkt, die umliegende Luft wird von seiner Stimme gestreichelt. Weiter denkt Marie, ich will hier einen Tisch haben, hier meine Bestellung aufgegeben und von ihm bedient werden. Der Kellner klappt seinen Ziehharmonikageldbeutel auf und drückt Sebastian eine Visitenkarte in die Hand. »Falls ihr wieder kommen wollt, ruft bitte vorher an.« Sebastian bedankt sich, steckt die Karte ein und verabschiedet sich. Auf dem Gehweg angekommen, schlägt Sebastian vor, zum Italiener zu gehen. Zu dem, der nur zwei Ecken weiter liegt. Maries Hunger ist groß. Sie stimmt zu. Vor einer Hauptverkehrstrasse stehen viele Tische. Die meisten davon sind nicht belegt. Das Ambiente lässt sich für Marie mit wenigen Worten beschreiben. Plastiktische. Plastikstühle und in Plastik eingeschweißte Speisekarten. Sebastian bestellt eine Pizza. Marie Gnocchi. Sebastian meint: »Das ist doch ganz ok hier oder?« »Wenn ich ehrlich bin«, sagt Marie, »finde ich es grauenhaft hier!« Sebastian sagt: »Du bist doch bloß enttäuscht, dass das mit dem Schiff nicht geklappt hat und kommst jetzt über die Enttäuschung nicht hinweg.« Marie wechselt das Thema und sagt: »Ist dir das mit der Visitenkarte gar nicht aufgefallen? Der Kellner hat nur dir eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. So ein Verhalten regt mich total auf!« Sebastian sagt: »Nimm das doch nicht so ernst. Das hat er doch nicht mit Absicht gemacht.« »Ich will aber nicht übergangen werden oder nur als dein Anhängsel gesehen werden!« Sebastian dreht sich eine Zigarette. »Dass du dich aber auch immer so schnell aus der Fassung bringen lässt! Das kommt bestimmt von der Leber.« »Nein, das kommt von meinen Wünschen, die, auch wenn sie nicht besonders kompliziert sind, einfach nicht erfüllt werden.« Sebastian erwidert nichts. Marie will noch mehr dazu sagen, tut es aber nicht. Während dem Essen vorbeifahrenden Autos zuhören zu müssen, löst bei Marie Müdigkeit aus. Marie sagt: »Nach dem Essen werde ich noch einen doppelten Espresso bestellen und Eiscreme oder Tiramisu oder Panna Cotta oder Panna Cotta und eine Kugel Schokoladeneiscreme.« Sebastian sagt, er wolle nach dem Essen gleich nach Hause. Er wolle jetzt in Ruhe in seinem Bett liegen und sein Buch weiterlesen.

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Wünsche # 13 (Beate liebt ihren Mann…)

Wünsche # 13

Beate liebt ihren Mann. Außer wenn er vor gemeinsamen Freunden über Frauen und ihre Sexualität spricht. Beates Mann prahlt gerne damit von weiblicher Sexualität Ahnung zu haben. Beate findet, dass er keine hat. Beate nimmt Coachingstunden um herauszufinden, warum ihr das so peinlich ist.

Wünsche # 14 (Maries Pullover…)

Wünsche # 14

Maries Pullover hat keine Füße. Er kann nicht von ihr weglaufen. Maries Pullover hat keinen Mund. Er kann keine fiesen Worte an sie richten. Maries Pullover hat keine Hände. Er kann sie nicht überraschend packen und so stark festhalten, dass Blutergüsse entstehen. Maries Pullover hat keine Gefühle. Er kann also nicht schmollen oder auf ewig beleidigt sein. Maries Pullover hat keine Augen. Er kann sie nicht wütend ansehen. Das sind für Marie die allerbesten Voraussetzungen um ihn richtig gern zu haben.

 

Wünsche # 11 (Endlich, Nadine kommt. Sebastain saugt…)

Wünsche # 11

Endlich. Sebastian hat es geschafft. Nadine kommt zu ihm zum Essen. Nadine war sein erstes Match auf der neu installierten App. Seit drei Tagen freut er sich schon darauf, ihr nun auch persönlich begegenen zu können. Seit einer Woche chatten sie täglich und zweimal haben sie auch schon miteinander telefoniert. Sebastian stellt Teller auf den Tisch und legt Besteck und zwei Stoffservietten dazu. Sie sind aus silbergrauer Rohseide. Er mag diesen Glanz und dass sie so schick wirken. Er holt Gläser für das Leitungswasser, stellt sie neben die Servietten, entdeckt Brösel auf dem Küchenboden, saugt noch einmal den Dielenboden ab, verräumt den Staubsauger und öffnet dann die Kühlschranktür. Er holt die Schüssel mit dem Radicchio-Birnen-Salat heraus und die große Glasbox mit den unterschiedlichen Käsesorten. Sebastian verteilt sie auf zwei Holzbrettern. Wechselt runde und eckige Stücke miteinander ab und legt dunkle und helle Weintrauben dazwischen. Das Angerichtete schmeichelt seinen Augen. Dann wechselt er noch einmal das Hemd. Er will doch lieber das weiße mit dem roten Muster anhaben. Es ist für ihn das, was für Frauen das kleine Schwarze ist. Danach ist er fast entspannt. Nadine ist pünktlich. Sie trägt Jeans und einen gelben Pullover. Sebastian überlegt, ob er ihr sagen soll, wie toll sie damit aussieht, lässt es dann aber bleiben und bittet sie nur herein. Nadine stützt sich mit der Hand an der Wand ab, hebt das Knie und greift nach dem Schnürsenkel ihres Sneakers. Sebastian lässt sie wissen, dass sie ihre Schuhe anbehalten kann und zeigt ihr den Weg in die Küche. Nadine legt ihr Telefon auf den Tisch und Sebastian hält eine Flasche Crémant in die Luft. Nadine nickt. Sie stoßen an. Für eine Sekunde klingen ihre Gläser. Der Nachhall verfliegt schnell. Nadine nimmt sich vom Salat, greift nach einem Stück Baguette und Sebastian erklärt ihr, dass das runde Käsestück in der Mitte der beste Käse sei und der teuerste. Er hat den Preis noch im Kopf. Vierzig Euro das Kilo. Er gesteht, dass er so einen exquisiten Käse nur für ganz besondere Anläße kauft. Nadine schaut den Käse an und packt die Hälfte davon auf ihren Teller. Sebastian legt ihr noch eine kleine Rispe von den Muscat Bleu Trauben auf den Teller und ist zufrieden. Für sich schneidet er erst einmal nur ein Stück Ziegenbrie ab. Nadine ist von dem Geschmack des teuren Käse ganz begeistert. Sebastian findet, dass sie den teuren Käse viel zu schnell isst, das sagt er ihr aber nicht. Von der einen Hälfte auf ihrem Teller ist schon fast nichts mehr übrig. Nadine fragt nach, wie viel so ein guter Käse kostet. Sebastian nennt ihr den Kilopreis. Nadine sagt, dass sie sich nie so teuren Käse kaufen würde und hievt die zweite Hälfte auf ihren Teller. Sebastian starrt Nadine an, senkt erschrocken seinen Blick, umfasst dann den langen Stil seines Glases und schiebt es auf dem Tisch hin und her. Nadine spricht von ihrer Arbeit. Sebastian hört nicht genau hin. In seinem Kopf brummt es. Es ist ein lautes Brummen. Geld, Käse, das könnte ihm doch alles Einerlei sein. Aber er hebt jetzt seine Gabel in die Luft. Die Zacken sollen den Käse auf Nadines Teller treffen. Er will ihn entführen. Aber dann sticht er doch nur in die Salatblätter, die auf seinem Teller liegen. Nachdem er die Blätter gut gekaut hat, greift er nach einer Scheibe Brot und belegt es mit einem anderen Stück Käse. Aber nichts scheint ihm noch zu schmecken. Er möchte den Abend jetzt nur noch vorantreiben. Er gießt Nadine den restlichen Crémant ein und hört ihr dabei zu, wie sie über ihren letzten Urlaub auf Malta spricht. Er betrachtet die auf dem Tisch liegenden Brotbrösel und legt seine Serviette auf den Teller. Tut das mit Schwung. Nadine probiert noch zwei weitere Käsesorten, tupft sich die Mundwinkel mit der silbergrauen Seide ab, bedankt sich für das großartige Käseerlebnis und fragt, ob sie noch einen Espresso haben könne. Sebastian bereitet die Espressokanne vor und stellt sie auf den Herd. Er greift nach der Zuckerdose, stellt sie auf den Tisch und bemerkt, dass eine Stoffserviette fehlt. Er wirft einen Blick auf Nadines Hosentaschen. Die linke Tasche ihrer Jeans ist ausgebäult. Sebastian kehrt zum Herd zurück. Nadine schweigt. Sebastian erträgt die Intensität der anhaltenden Sprechpause nicht und stellt ihr doch wieder eine Frage. Nadine beantwortet sie, wie es scheint, sehr gerne. Sebastian stellt den Espressokocher auf den Tisch und eine viertel Stunde später steht er alleine an der Spüle. Er wäscht Nadines Teller ab und geht dann joggen. Die große Runde.

 

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Wünsche # 9 (Benimmregeln…)

Wünsche # 9

Benimmregeln für die erste Verabredung mit mir. Was man mit mir alles machen kann, was mit „b“ beginnt: Mich beschnuppern. Mich belustigen. Mich begeistern. Mich betören. Mich bestaunen. Mich besingen. Mich bepinseln. Mich beschleunigen. Mich berauschen. Das wäre es für den ersten Abend. Und wie sieht es bei dir aus?

Wünsche # 7 (Oliver Johannes Marie…)

Wünsche # 7

Sebastian öffnet die Wohnungstür. Er weiß bereits, wer vor der Tür stehen wird. Marie. Sie hatte ihn vor einer halben Stunde angerufen und gefragt, ob sie vorbei kommen könne. Sebastian nimmt zuerst Maries Gesichtsausdruck wahr, wie aufgebracht sie aussieht, und sieht dann erst den Blumenstrauß, den sie ihm entgegenstreckt. Sebastian bittet sie herein. Marie zieht gar nicht erst die Jacke aus, geht gleich in die Küche, setzt sich an den Tisch und sagt: »Ich halte das einfach nicht mehr aus, Oliver will mich jetzt nur noch einmal die Woche sehen?« Marie hebt ihre Hand und fährt sich hektisch durch die Haare. Sebastian stellt Marie ein Glas Leitungswasser hin und ein kleines Fläschchen mit Baldriantropfen. Marie träufelt sich gehorsam welche ins Glas und trinkt. Sebastian geht zum Regal, greift nach der roten Vase, die Marie ihm einmal zum Geburtstag geschenkt hat und arragiert die Blumen in der Vase. Marie sagt: »Ich verstehe das einfach nicht! Ich dachte, er ist genauso verliebt wie ich!« Sebastian gießt sich selbst auch Leitungswasser ein und öffnet dann noch eine Packung Cashewkerne mit getrockneten Cranberries. Marie seufzt und sagt: »Ich kann doch nicht zu einem Anwalt gehen, nur weil mir einmal die Woche nicht reicht? Und eine andere Idee habe ich nicht!« Sebastian schüttet die Packung in eine kleine Holzschale und setzt sich zu Marie an den Tisch. Marie stampft mit dem Fuß auf den Boden und sagt: »Warum können meine Gefühle nicht einfach fließen, wenn ich sie schon einmal gefunden habe. Außerdem stelle ich mir unentwegt Fragen, die von der übelsten Sorte und kann deswegen nachts schon nicht mehr schlafen.« Sebastian nimmt einen Schluck Leitungswasser und sagt nichts. Marie beginnt zu weinen. »Ich hasse mich. Anscheinend bin nur ich wieder so bedürftig!« Sebastian steht auf, zieht Papier von der Küchenrolle, reißt es ab und reicht es Marie. Marie schnäuzt sich und sagt: »Es kann doch nicht so schlimm sein, sich öfter als nur einmal die Woche zu sehen? Als wir uns kennengelernt haben ging das doch auch!« Sebastian scheffelt sich Cashewkerne und Cranberries in die Hand. Marie sieht Sebastian an: »Jetzt sag doch auch mal was! Du bist doch immer derjenige mit dem Überblick und dem Psychogespür.« Sebastian kippt die Chashewkerne samt den Cranberries zurück in die Schale. Vor Maries Augen etwas zu verschlingen, was ihm so gut schmeckt, kommt ihm jetzt herzlos vor. Aus Maries Augen kullern erneut Tränen, groß wie Cranberries. Sebastin schweigt immer noch. Marie tupft sich die Tränen mit dem Papier von der Küchenrolle ab. Sebastian kennt Oliver nicht. Aber Johannes. Mit ihm ist er seit vielen Jahren befreundet. Eine größere Verbundenheit spürt er aber mit Marie. Johannes geht auch mit Oliver ins Bett. Um genau zu sein, seit drei Wochen, zweimal pro Woche. Und Johannes ist deswegen im Glück.

 

Wünsche # 8 (Paar küsst sich…)

Wünsche # 8

Sebastian sieht auf dem S-Bahnbahnsteig ein Paar stehen. Sie küssen sich. Anna und er haben sich auch oft in der Öffentlichkeit geküsst. Sebastian überfällt eine Traurigkeit. Die Traurigkeit gehört zur Gattung der Sekundentraurigkeit. Das Paar küsst sich erneut. Sebastians Traurigkeit wechselt die Gattung, geht über in eine Minutentraurigkeit. Sebastian beschließt Weinrauben und ein halbes Kilo von dem teuren Parmigiano zu kaufen. Die Traurigkeit geht weg. Sie steht nicht auf Käse. Wohin oder zu wem sie geht, weiß Sebastian nicht. Nur, dass er zunimmt.