Lebensentwürfe # 1 (Mein Schreibtisch…)

Lebensentwürfe # 1

Mein Schreibtisch steht neben dem Fenster. Ich höre, wie Regentropfen gegen die Einfachverglasung prasseln. Ich drehe meinen Kopf vom Computerbildschirm weg und werfe einen Blick auf das Fenster. Ich fokussiere einen gerade eben erst gelandeten Tropfen und sehe ihm dabei zu, wie er an der Glasscheibe entlang nach unten läuft. Je größer die Wegstrecke wird, die er zurücklegt, umso weniger bleibt von seinem Körper übrig. Pragmatisch gesehen, sehe ich gerade dabei zu, wie ein Regentropfen auf sich selbst abrutscht. Nach ein paar Sekunden ist der Tropfenkörper komplett verschwunden. Er existiert nicht mehr. Gehört schon der alles verschlingenden Vergangenheit an. Mit ruhigem Gewissen sage ich, dass jeder Regentropfen einer Schnelllebigkeit unterworfen ist. Ja, ihr sogar völlig ausgeliefert ist. Mit Haut und Haar. Mit Regenhaut und Tropffrisur. Gerade war er noch in einer Wolke, wurde er aus ihr heraus geboren, löste er sich aus seiner Geburtswolke heraus, hatte gerade noch im freien Fall einen Körper, einen, der nur ihm gehörte, und schon ist sein Körper wieder verloschen. Kurz nach dem Aufprall auf einer Glasscheibe. Der Lebenslauf eines einzelnen Tropfens ist wirklich keiner Rede wert. Aber ein paar Worte wollte ich dennoch darüber verlieren.