Du # 16 (Brauche Fett, Sahne, Sahne, Sahne

Du # 16

Jeden Tag brauche ich eine Portion Fett. Das bilde ich mir zumindest ein. Egal was die Wissenschaft sagt. Ich brauche es, um denken zu können. Mein Gehirn kann nicht ohne. Butter darf ich nicht pur essen, davon wird mir schlecht. Butter geht gut im Zusammenhang mit Brot. Belegte Brötchen sind schneller zubereitet, als sich etwas zu essen zu kochen. Aber ich esse sie nicht so gerne, wenn ich sie selbst belegen muss. Denn das fordert Entscheidungskraft. Welche Sorte Käse, welche Sorte Wurst, im Stück oder schon aufgeschnitten, und darf der Käse oder die Wurst auch teuer sein, und wieviel Gramm kann ich davon essen, bis mir wieder nach einer Abwechslung zumute ist. Und dann zu Hause alles verstauen und aufpassen, dass nichts davon das Ablaufdatum überschreitet. Und in der Früh, wenn ich den Hunger stillen will, bevor ich ins Büro muss, den Käse und die Wurst auswickeln, Butter auspacken, Brot schneiden, Brösel wegwischen, Geschirr einsauen und solche Dinge. Das ist doch ein höllischer Aufwand.
Wer in einer Großstadt lebt, so wie ich, kann es einfacher haben. Es gibt so viele Läden, die belegte Brötchen anbieten, so dass einem das ganze Prozedere der Eigenherstellung erspart bleibt. Öl habe ich auch zu Hause stehen, komme aber trotzdem selten zum Kochen und es einfach so zu schlucken, gelingt mir nicht jeden Tag. Aber Sahne geht immer! Für mich passt Sahne zu absolut allem. Für andere sind es womöglich Austern oder Kresseblüten, die kleine Verzückungen auslösen. Bei mir ist es Sahne, Sahne, Sahne. Am liebsten das kalte dickere Fett, das sich oben in der Flaschenöffnung unter dem Verschluss anstaut. Mit großer Vorliebe ziehe ich diesen Fettklumpen mit dem Finger aus dem Flaschenhals, schiebe ihn mir in den Mund und lasse den Batzen bis in meine Hirnzellen hinein zergehen. Eine rahmige fette Freude und meine Gedanken laufen wieder wie geschmiert.

 

>	</div><!-- .entry-content -->

	<div class= Veröffentlicht am Veröffentlicht in Du #, Siebzehntes Set